Bericht aus Isfahan


Donnerstag 17.04.08 Abend

Die Zeit tickt hier anders, alle geht anders, und ist für uns wie alles andere
nicht immer oder nur kaum zu kontrollieren.

Das hat auch eine Gegenseite, und so ergibt sich aus dem Nichts eine Lösung: während ich noch im Internet beschäftigt war, stand Robin vor der Tür, rauchte und lernte eine Person kennen, die uns in unser jetziges Hotel brachte. Der Preis, das muss man wissen, ist immer im Vorhinein auszumachen. Und der war mit 10000 Toman tatsächlich in Ordnung, auch wenn es natürlich besseres und billigeres gibt.

Nachdem wir unser Domizil bezogen haben, sind wir hinaus in die Stadt, essen. Kebap ist das Gericht, das hier neben „ice cream“ überall zu finden ist. Am Fluss grüssen uns wieder Wildfremde „ Hi, Hello, Hallo, how are you, hi mister“. Hupen, Schreie aus den Autos. Unglaublich, drei bunte Hunde aus Deutschland. Zwei bis drei Worte genügen, um eine Menschentraube um sich zu sammeln.

Freitag 18.04.08
Auf dem Programm stand eine Person aus unserer Isfahangruppe zu kontaktieren. Leider sagte der Angerufene nur: „you are wrong“ Auch konnten wir Frau Chahin Dörflinger , die Vorsitzende des Freiburg-Isfahan Vereins nicht erreichen, die mit dem Flugzug am Spätnachmittag aus Bam in Isfahan eintreffen sollte. Wir überbrückten die Zeit mit sightseeing bis mittags. Wir zählen 5-10 neue Kontakte in der Stunde, aus den Autos, Bussen von den Motorrädern wird gewunken. Jeder will wissen, woher wir sind, auch wenn ihnen teilweise Deutschland bzw. „Germany“ als Land unbekannt ist – sensationell, 5 Minuten lang ein Star in Isfahan. Selbst Polizei und Militär sind freundlich. Soviel Gastfreundlichkeit, soviel Entgegenkommen ist uns auf all unseren Reisen noch nie widerfahren.

Nur die tatsächlichen Kontakte, die sind nicht zu erreichen, zumindest nicht die von der Vereinsgruppe. Es gibt nämlich noch eine andere Gruppe, ein Künstlerkollektiv, das ebenfalls interessiert ist an der Teilnahme bei der Ausstellung, jedoch bisher noch nicht die Zeit für uns fand. Zu Mittag aßen wir trotz aller Angebote im Hotel Abasi, „the oldest hotel in the world“ Das Essen war nicht ganz nach unserem Geschmack und wir sollten besseres kennen lernen.

Am Nachmittag konnten wir endlich Fatima, die Vereinsvorsitzende doch noch erreichen, und den Treffpunkt im Armenierviertel Jolfa ausmachen. Die Gruppe, mit der wir zusammenarbeiten, trifft sich immer in einem privaten Kulturzentrum Digar. Wir brachten der wartenden Leiterin des Zentrums und den Projektteilnehmern Nasibeh, Amir und Reyehe Schokolade mit. Bei Tee und Teilchen stellten wir uns gegenseitig vor. Spannend war die drei kennen zu lernen, die uns auch in FR besuchen werden.

Die Gruppe hat sich wahnsinnig viel Mühe bei der Beantwortung der Projektfragen gegeben. Die Resultate sind sehr gut und Freiburg kann sich definitiv auf ein spannendes Isfahan-Zimmer freuen. Die Leiterin sehr nett und hat sehr gute Kontakte. So langsam tritt die Idee, die Zeit in Isfahan zu kürzen, um auch Shiraz und evtl. den Norden zu sehen, in den Hintergrund.

Abschließend fahren wir allesamt auf den Grossen Platz bei der Freitagsmoschee, uns wird ein bisschen von der Altstadt gezeigt und wir essen Eis in einer lauen Orientnacht.


Samstag 19.04.08

Heute morgen hat uns Nasibeh am Hotel bereits um 9 abgeholt, wieder ins Armenierviertel. Endlich Kaffee, der war uns bisher vergönnt, überall Tee. Besichtigung einer armenisch-christlichen Kirche, eine wie generell alle Anlagen der Stadt – wunderschön gestaltete Architektur. Neben der Brücke und der Freitagsmoschee mit dem Bazar der dritte fantastische Bau, der unsere Faszination weckt. Wir wurden von einer Gruppe verschleierter Mädels frenetisch mit Handyfotoattacke begrüßt. Bisher hielten sich die Mädels etwas zurück, winkten schüchtern oder es kam ein „hi“, doch nun wollten sie Fotos, mit uns, von uns, es war unglaublich witzig. Die Kirche war ein highlight, und es gab einen schönen Einblick in das Leben der Christen als Minderheit, ich hoffe, darüber mehr erfahren zu können.

Bazar ansehen, erleben, fühlen, ein Paar Fotos und essen. Die beiden Vegetarier haben
ihre Essgewohnheiten schon bald aufgeben müssen, denn es gibt Fleisch, auch wenn „Chicken“ nach iranischer Sitte da nicht dazu gehört. Es gab Fesenjan, ein süßsaueres Hünchen mit viel Sauce und Reis. Lecker, typisch aus Isfahan und weiterzuempfehlen. Das wird es auch in der Kultur-WG geben.

Die Strassen hier sind voller junger Menschen, nahezu alle haben die 20 noch nicht oder gerade erst überschritten. Eine andere Welt, Deutschland und der demographische Wandel verzerren hier das Bild. Ebenso erstaunlich der inflationäre Gebrauch des Handys – jeder ist immer am Telefonieren…

Viele Grüße,

Oliver

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