Unsanfte Landung


Unsanfte Landung
Mit dem Ende der gestrigen Internetsession war auch erstmal Ende mit entspanntem Flair. Die unglaublich schöne Welt Isfahans, wie aus 1001 Nacht, mit ihren Moscheen, ihren grandiosen Parkanlagen, ihrer Mystik und Religion, in der wir drei herumschweben wie drei Außerirdische, war zu schön. Am Nachmittag bringt uns eine Begegnung mit der zweiten Gruppe, wieder auf den Boden zurück.

Die eine Gruppe aus dem Kulturzentrum ist uns bereits ab dem ersten Betreten ein Zuhause, eine Basis, ein Vermittler und Übersetzer. Die andere Gruppe ist ein Künstlerkollektiv und nennt sich Isfahan Painting Society, welches dem ein oder anderen Freiburger durch die Ausstellung iran.com ein Begriff sein könnte. Diese basteln mit ganzen 15 Mann und Frau an Ideen für das Isfahan Zimmer. 15, das klang schon am Telefon nach viel, und das Treffen mit
einer der Künstlerinnen im Hotel Abasi war, besonders auch da Nasibeh aus der anderen Gruppe zugegen war, durchaus kompliziert. Das Problem war, dass die Gruppen nicht von einander wussten, wir zwar den Fakt am Abend zuvor kommuniziert hatten, allerdings dieser nicht wirklich als solcher verstanden wurde – big confusion war hier erst mal angesagt. Nach langem Hin und Her im Hotel Abasi einigte man sich auf ein Treffen in dem Kulturzentrum am gleichen Abend. Wir fuhren daraufhin noch zur Moschee, um diese von innen kennen zu lernen und entsprechend abzulichten. Wir hatten jedoch nur das Problem im Kopf, dachten über unser Verschulden, unsere Unwissenheit und Zweifel nach. Das Treffen, von dem wir uns Synergien versprachen, von dem wir uns erhofften die beiden Gruppen zusammen zu führen, fiel ins Wasser, wie wir telefonisch von dem Uebersetzer des
Künstlerkollektivs erfuhren. – sie waren, nach seinen Worten, ausgeladen worden. Einigermassen angespannt fuhren wir nun zu dem Zentrum – besonders da uns das Zentrum und die Projektmitglieder eine nahezu familiäre Atmosphäre bieten – und wir nun nicht wussten, was gespielt wird. Wir zerbrechen uns den Kopf, rätseln, basteln an möglichen Erklärungsansetzen, bis wir verstehen, dass wir am Ende der Problematik recht machtlos
gegenüberstehen.

Nach einer weiteren rasanten Taxifahrt erreichen wir das Institut, unser zweites Zuhause. Der Ehemann der Institutsleiterin, ein Kunstprofessor an der Isfahaner Universität begrüßte uns mit einer bedächtigen Ansprache, wir tranken Tee. Wir sprachen über Isfahan, Deutschland, das übliche, entdecken schnell unsere Sympathien, grinsen, lachen, erzählen. Nach der ausgedehnten Einführungsrunde lenkt er das Gespräch zu jenem Künstlerkollektiv, teils
ehemalige Studenten von ihm. Dies, ob absichtlich oder auch nicht so konstruiert, bot uns die Gelegenheit die Sache von vorne aufzurollen. Die Stimmung hatte etwas melodramatisches, denn es erschien uns, als wären die Anwesenden von der Existenz der zweiten Gruppe nicht
übermäßig begeistert. Daher war es besonderst wichtig für uns, alles zu versuchen, die Beteiligten von einem positiven Synergieeffekt zu überzeugen. Letztlich wurde eine der Künstlerinnen für Montag ins Institut eingeladen, ein Treffen in deren Atelier für heute
vereinbart und beschlossen, dass man eine Auswahl der Werke für das Isfahanzimmer träfe. Es war eine schwierige Angelegenheit, sicherlich nicht nur für uns, doch letztendlich war mangelnder Kommunikation ihr Auslöser, jedoch nicht nur von unserer Seite. Denn dass es diese Gruppe gab, bzw. diese in das Projekt miteingegliedert werden sollen, wurde am Vortag nicht übermittelt, deutsch-persische Verpeilung und die Englischfetzen sorgten hier für regelrechte Hochspannung in den letzten Tagen…

Nach dem jedoch die Sache gemanaged war, ist der gute vibe hier in der Runde einfach unzerstörbar. Wir warten mit Nasibeh, Reyeh und Amir rund eine kurze dreiviertel Stunde auf das berüchtigte „Iranian fast food“ und landen schließlich gegen Mitternacht wieder im Hotel. Ausgepowert schmeißen wir uns in die Kojen, reflektieren den Tag gemeinsam, besprechen, diskutieren, kritisieren, lernen voneinander. Am Abend vereinbaren wir noch mit Lucy, einem armenischen Mädel, die die letzten 5 Jahre in Zypern verbracht hat und lediglich die Sommer in Isfahan verbringt, ein Treffen vor der armenischen Kirche um das Viertel mit Hilfe der Kenntnisse einer Einheimischen kennen zu lernen. Wir sind gespannt auf den nächsten Tag, ein weiteres Abenteuer in dieser bezaubernden Stadt, der gastfreundlichsten Stadt, die wir je bereisen durften.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: