Robin / Teil 1


Robin/ Part I

Im Sonnenuntergang wandern wir begleitet von Hupkonzerten, aufbrausenden Motoren, Menschenschwärmen durch die Stadt in Richtung Mehdan Iman Square (dem drittgrößten Platz der Welt). Dort gibt es neben zwei Moscheen noch die königliche Residenz Ali Quapu (Hohe Pforte). Von deren großer Terrasse aus blicken wir über eine die Daecher dieser Oasenstadt – diesem Traumtempel. Der Blick ist hypnotisierend, eine riesige Stadt umringt von Bergen, in dieser Szenerie kann man sich treiben lassen, sich in seiner Phantasie versenken, alles erscheint so unbegreifbar ruhig, spielt sich in Zeitlupe ab, so langsam, gemächlich, entspannt – wir haben ein neues Zuhause gefunden.

Betrunken vor Sonne schweben wir über den Platz und verschwinden im südlichen Teil des Basars zum Abendessen. Das Restaurant/Teehaus ist eins der bekanntesten Isfahans und für Besucher der Stadt eins von diesen – Da muss man hin. Hier gibt’s nach zahlreichen Fehlversuchen endlich vegetarisches Essen „beduneguscht“ und eine gemütliche Atmosphäre. Die Gerichte sind ein Gaumenschmaus und auch wenn vergleichsweise teuer, schwer zu übertreffen. Wie gewohnt sind wir bester Laune, quatschen, spaßen, schwatzen mit unserer armenischen Freundin. Oooooooops – in unserem Zeitvakuum hätten wir fast unser bevorstehendes Treffen mit den Kuenstlern der Isfahan Painter Society verschwitzt. Nach einem raschen Aufbruch folgt eine rasante Taxifahrt quer durch die Stadt bis vor die Schwelle der Künstlervereinigung.

Ihre Kreativzentrum liegt gut versteckt und verwinkelt ganz in der Nähe des Flusses und der bekannten 33 Bogen Brücke. Dort angekommen werden wir zu unserem Erstaunen von einer riesigen Gruppe von Künstlern erwartet, die allesamt ihre Zeichnungen, Malereien, Skulpturen, Videos etc. in Form einer kleinen Ausstellung aufbereitet haben. Nach kurzem kennen lernen, werfen wir erste Blicke auf die Werke der Künstler und es wird zu unserem Bedauern recht schnell deutlich, wie wenig die Idee des Projektes bei den Künstlern hier angekommen ist. Bei der Übermittlung sind wohl wichtige Infos verloren gegangen – junge Generation, Lebensentwürfe, Unterprojekte…
Nach kurzen Gesprächen mit vereinzelten Künstlern verstärkt sich dieser Eindruck und wir schlagen vor, die Projektidee noch einmal direkt zu erklären. Dank unserem begabten Übersetzer steht dem auch nichts entgegen und kurze Augenblicke später befinden wir uns an einer langen Tafelrunde und präsentieren die Projektidee.

Für uns sicherlich eine der interessantesten Erfahrungen was unsere zukünftigen Tätigkeiten als Kulturmanager anbelangt. Uns gegenüber sitzen ca. 20 iranische Künstler, d.h. 40 gespannte, fragende, kritische Augen und warten gespannt auf die Übersetzungen, stellen Fragen, geben Anmerkungen usw. Nach längerem Ping Pong Spiel und Beseitigen von Unklarheiten, einigen wir uns darauf, dass diejenigen, die interessiert sind und bereits passende Arbeiten entworfen haben, uns diese in den nächsten Tagen zukommen lassen, damit wir dementsprechend eine Auswahl treffen können. Die Sitzung löst sich langsam auf und nach und nach erreichen uns Vereinzelte mit CDs ihrer Arbeiten. Kurz darauf werden wir überschwemmt mit CDs ihrer Malereien, Zeichnungen, Fotos, Skulpturen, Kurzfilmen etc. Viel Arbeit für die nächsten Tage!!! Nachdem ein Grossteil der Künstler sich verabschiedet und die Ausstellung abgebaut wird, teilt man uns mit, man würde uns gerne eine kleine Präsentation von Kurzfilmen im Videoraum zeigen wollen. Leicht geschwächt begeben wir uns in den zweiten Stock dieses geräumigen, sympathischen Hauses und schauen die Kurzfilme. Entgegen unserer Erwartungen werden wir überrascht von den exzellenten und zu unserem Thema passenden Filme. Die Freiburger und alle weiteren Besucher der Ausstellung dürfen gespannt sein…

Nach gemütlichem Ausklang erhalten wir vom Leiter der Painting Society eine unablehnbare Einladung in irgendein Restaurant, durchqueren erneut die halbe Stadt, essen das dritte wohlschmeckende Mal und landen am Ende mit vollstem Magen bei unserem Gastgeber zu
Hause. In dieser geräumigen Örtlichkeit gibt es Tee, Datteln und jede Menge Leinwände zu betrachten. Zur Krönung zeigt er uns eine seiner letzten Videoarbeiten, von der wir fasziniert sind. Sie scheint wie für das Projekt gemacht und wird definitiv bei Global Generation im
kommenden Juni zu sehen sein. Nach längerer Unterhaltung fahren sie uns noch zum Hotel, wir wecken wie gewohnt den Portier und fallen total geschafft ins Bett…

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