Montag 21.04.2008


Oliver

Montag 21.04.2008

Kommunikation ist alles, das wird einem klar in einem Land in dem der lateinische Buchstabe kaum zählt, das Englisch mal so, mal so ausgelegt wird, und die Sitten und das soziale Verhalten einfach anders ticken. Das sorgt nicht nur für enorme Erheiterung, grandiose
Lachflashs, nein es kann auch echt unangenehm werden, so am vergangenen Montag.

Montag also, in Deutschland unser liebster Tag, war hier zunächst ein Desaster. Da wir noch tief nachts mit der Painter Society Kebap essen waren, konnten wir uns am nächsten morgen nicht gleich zu den drei täglichen Eiern und dem immer gleichen Hoteltee überwinden, und sind nüchtern in den Stadtteil Julfa gefahren, wo es bekanntlich den besten Kaffee gibt. Wir trafen vor der Vank Church auf Nasibeh und Lucy, gingen mit diesen in unser Lieblingscafe, tranken den Cafe, und bekamen nach dem zweiten oder dritten dann doch Hunger…Nasibehs
Schwester, eine ganz liebenswürdige Frau, die wir schon hin und wieder getroffen hatten, und die nun mit ihrem Sohn vor Ort war, lief gleich bei dem Wort Breakfast los, um etwas zu kaufen – ohne das es einer wissen konnte, schließlich konnte sie sich uns nicht mitteilen.
Robin, Nasibeh und ich gingen derweil in eine Bar, orderten Fruchtsalat und Kuchen, und ließen Franz im Cafe sitzen, damit er mit Lucy Herrn Arilig antreffen konnte. Dieser wollte uns schließlich die Kunstuniversität zeigen, in welcher er selbst als Professor für Skulptur tätig ist.
Der Fruchtsalatbarkeeper ließ sich übermäßig viel Zeit. Da das Treffen mit Herren Arilig eigentlich auf 9.00 angesetzt war, wie wir nun um 11.00 erfuhren, griffen uns Franz, Lucy und Herr Arilig in der Bar auf, damit wir endlich die Uni sähen. Nasibeh blieb bei dem lahmen Barkeeper, um das Frühstück später uns zu bringen. Da ist eine Höflichkeit, Gastfreundlichkeit und Großzügigkeit am Start, für uns Mitteleuropäer unfassbar!

Nun, wir besuchten den Teil der Uni, der dafür ist, dass die berühmten Isfahanteppiche berühmt bleiben, erhielten eine nette Führung – und jede Menge Kuchenstückchen, Bonbons, Schokolade, jaja!! Nasibehs Schwester brachte zwischendurch noch einiges von einer Konditorei, Kuchen, Milch, Backwaren…und dann kam Nasibeh aus der Bar mit Unmengen an Fruchtsalat, Sahne, weiterem Kuchen! Es war unfassbar, auch unfassbar heiß mittlerweile, und wir waren schon nahezu satt. Wir mästeten uns mit dem Fruchtsalat, aßen Kuchen bis uns schlecht wurde, und Franz, vollkommen überfordert mit dem Kram, bat die Mädels mit ihm
gemeinsam den Salat zu verspeisen.

Dann gab’s den ersten Deut auf die strengen iranischen Regeln ein weiterer gemeinsamer Biss, und wir müssten die Uni verlassen. So kann’s also auch gehen: mal fragt man sich was los ist mit den ach so strengen Gesetzen und Regeln hier, die nur so gebrochen werden wollen, dann gibt’s auch mal wieder solche Hinweise. Es war erstmal sehr peinlich, doch dann auch mal wieder sehr lustig, besonders für uns drei Chaoten, satt und überladen mit Kuchen ging’s dann weiter in den Park, ausruhen, und weiteren Palast betrachten. Robin und ich gingen im Park eine Schulklasse Mädels fotografieren, es war ein unglaublicher Spaß, erschrocken, erfreut, lachend – tolle Bilder, denken wir. Und es gab weiter von allen Seiten Chips, Bonbons, Schokolade, „how are you“. Wir ließen Robin mit einem Soldaten und seinen Homies im Park Gitarre spielen, es wurde gesungen, sich ausgetauscht und auf ein Wiedersehen gehofft. Dann fuhren wir mit den Mädels zur Ältesten Moschee der Stadt, der ehemaligen Freitagsmoschee. Hier trafen wir auch auf Reyehe, die uns einen besonderen Blick in diesen Ort werfen ließ. Zum ersten Mal! sahen wir die Leute tatsächlich beten, die Gebetsräume überhaupt, und waren überaus beeindruckt von diesem spirituellen Ort. Nach einem kurzen Durchlauf durch den hiesigen Basar, trafen wir Robin wieder und fuhren alle gemeinsam, nach kurzem Zwischenstop im Hotel, zum Digar Institut Dort wollten wir uns auf das Treffen mit Mino, der Vertreterin der Painting Society, die an diesem Abend für Gespräche über eine gemeinsame Arbeit ins Diagar kommen sollte, vorzubereiten. Wir haben die CDs der Kuenstler mit Nasibeh, Reyehe und Amir durchgesehen, um herauszufinden, welche Werke wir gerne noch im Zusammenhang mit dem Thema global generation in Freiburg zeigen wollen.

Da Minoo Iranpoor dann doch schon bald erschien, war es uns unmöglich alle 17 CDs durchzuklicken, und wir gingen etwas unvorbereitet zu dem letztlich sehr gutem Gespraech, das hauptsächlich zwischen Minoo und Frau Arilig ablief. Wir machten noch mal unsere Hoffnung deutlich, dass wir auf eine gute Zusammenarbeit für dieses und weitere Projekte hoffen – was für beide Institute gelten soll – und dass es uns eine große Freude und Ehre sei, mit jenen zusammenzuarbeiten. Frau Arilig war sehr gerührt von unseren Motivationen, und uns wurde schließlich mitgeteilt, dass sich beide Institute sehr freuen, zusammenarbeiten zu können, und das Beste für Isfahan zu erreiche. Das klang optimal, auch wenn man nicht immer weiß, was im Hintergrund gespielt, gedacht, und passiert ist. Absolute Erkenntnis: wir decken hier immer nur maximal 10% von dem auf, was tatsächlich abgeht, siehe Kommunikation Frühstück.

Nachdem das alles so positiv gelaufen ist, ging’s mit Herrn Prof. Arilig auf den Stadtberg, es war bereits dunkel. Frau Arilig fuhr mit ihrer Tochter Reyehe nach Hause, um uns allen ein Abendessen vorzubereiten.
Der Blick von dem Berg war sagenhaft, und wir bereuen ein wenig, den nächsten Tag schon so voll gepackt zu haben: Treffen in der Painting Society, Einkaufen für die Ausstellung und Abfahrt nach Teheran und nicht noch einmal tagsüber auf den Berg und auch zu der höher
gelegenen Burg aufbrechen zu können.
Das Abendessen bei den Ariligs war sensationell. Westlich, was Kleidung und Haushalt angeht, das Haus riesig, schön und selbst entworfen. Ein Tisch voller leckerster Speisen, großteils vegetarisch, aus Rücksicht nach den Fleischlawinen der Vortage. Es war alles so herzlich, die Mutter spricht kaum englisch, ist aber eine absolute Powerfrau, und an dem Abend funkt die Kommunikation auch so. Der Prof, ein Supertyp, mit interessanten Ansichten, einem goldigem Humor, und interessantem Wissen zu Teppich und Handwerk in Isfahan – tief verwurzelt in der Isfahaner Stadtgeschichte. Natürlich hatten wir gegen 18 Uhr noch eine Pizza eingebaut, so dass das Essen nun gegen 22.30 zwar schon wieder gut zu managen war, es gab nach und nach immer mehr, und dann noch Nachtisch und so fort, und es wurde spät, wir rund, und am Ende ging es mit Herrn Arilig, nun unserem Taxifahrer, zurück ins Hotel, so gegen 2. Der nächste runnig gag, das Hotel war wieder zu, unser Portier war wieder aus der Lobby zu wecken, und diesmal gab’s Trinkgeld für ihn – wir haben uns tot auf den toten Strassen der Stadt gelacht…

bis bald

Oliver

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