Auf bald! Iran…Islamic Republic


Expedition Orient letzter Teil…

Die letzten persischen Tage will ich in einem zusammenfassen, schließlich ist unsere Mission, das Kennenlernen und Verbinden der Gruppen mit der Abreise aus Isfahan vorerst abgeschlossen. Natürlich sind wir weiterhin im Namen des Projektes unterwegs, führen Gespräche, diskutieren über die jungen Menschen im Iran – und dokumentieren dies mit Kameras, Aufnahmen, Texten – doch das Kulturmanagement darf für diese wenigen Tage einmal beiseite gelassen werden.

Wir verschaffen uns am Mittwochmorgen erst einmal einen Überblick über diese 16- Millionenstadt – wir machen uns nach dem Frühstück in das Gebirge auf, an das sich der Norden der Stadt anlehnt. Dieser Ort bietet nicht nur einen fantastischen Aussichtspunkt, nein, es ist auch ein hoch gelegenes Skigebiet – welches man sich mit der längsten Gondelstrecke der Welt erschließen kann, und das einem einen surrealen Beigeschmack eingibt: man kommt aus den locker 30 Grad in der Stadt in einen alpines Land, mit Pisten, Skiabfahrten, weiteren Lif-ten und Snowboardfahrern. Der Smog lässt trotz der 3800m Höhe eine Sicht bis zu den Nord-ausläufern der Stadt nicht zu, und wir begnügen uns mit der Aussicht auf die nahe gelegenen Hochhäuser und Parks, und genießen im T-Shirt die Sonne.

Auch wenn uns dieser erste Ausflug nicht wirklich zu mehr Orientierung verhalf – die Stadt ist ein gewaltiger Moloch -, war er es wert, wie auch der folgende Besuch des ehemaligen Scharparks mit seinen Palästen. Nach einem vorzüglichen Mittagessen in eben jenem idylli-schen Park, bei dem wir zwar mal wieder nicht ganz verstanden wurden, besuchten wir diver-se Musen: die ehemaligen Paläste der Scharfamilie haben heutzutage ihre Funktion als Mili-tär-, Kunst- oder Handwerksmusen.

Das Besuchen von solchen Parks, das Herumfahren im Taxi, Stau, endloses Spazierengehen, Verlaufen, gutes Essen am Mittag wie am Abend, kleine Einkäufe, Unmengen an Fotografien, gelegentlich Internet – so füllen sich im Weiteren unsere Tage. Wir sehen einen Bruchteil des gigantischen Teheraner Basars, besuchen die älteste Moschee der Stadt, sitzen in traditionel-len Tee- und Pfeifencafes, suchen einmal mehr den Park des Schars auf – beim ersten Besuch wurde sein eigener Palast vor unseren Augen geschlossen.

Die Tage in Teheran sind kunterbunt, das Leben auf den Strassen, in den Parks, Restaurants oder Basaren ist ereignisreich – und lässt uns die Zeit als ewig erscheinen. Doch sehen wir die iranische Wirklichkeit von nun an auch anders, erfahren von unseren Gastgeber, und auch von weiteren Quellen mehr über das Regime – Dinge, die man nicht sofort erkennt, die man nicht unbedingt aus dem Stadtleben herauslesen kann, wenn man kaum oder nur ungenügend Wissen von der politisch-religiösen Lage des Landes mitbringt. Nun aber wird uns die Polizeipräsenz, die unterschiedlichen Sicherheitseinheiten, das Enthalten aller politischen Äußerungen auffällig. Isfahan, unsere Zeit dort – es war entspannt, wir haben die Leute nahezu um ihre wunderschöne Stadt beneidet – und wir haben kaum gefühlt, dass wir in einem Land unter-wegs sind, in dem es neben Steinigungen für Frauen bei Ehebruch, Sittentribunalen bei Make-up, gewaltige Arbeitslosigkeit und Drogensucht, eine wahnsinniges Misstrauen gegenüber dem Nächsten gibt. Vieles erscheint uns jetzt in einem anderen Licht, und es tut weh diese Erfahrung zu machen, schließlich waren die Leute derart freundlich zu uns, begegneten uns mit einer ganz und gar unwahrscheinlichen Herzlichkeit, insbesondere die jungen Menschen. Und genau diese jungen Menschen wollen so wie wir reisen, die Welt kennenlernen, auf eine schöne Zukunft hoffen können, und es wird ihnen verwehrt, sie werden bedroht, und die Pa-ranoia ist groß. Das wirft einen kleinen Schatten auf unsere Erlebnisse, es bedrückt ein wenig – doch ist man mit einer Woche Iran sehr weit weg von den Realitäten, und kann sich nur sehr rudimentär vorstellen, was eigentlich in dem Land los ist.

Uns hat die Reise definitiv gezeigt, dass es richtig und wichtig ist, Projekte im Iran und vor allem mit Iranern zu machen – es liegt gerade bei den jungen Generation ein unglaubliches Mitteilungsbedürfnis vor, sie wollen der Welt zeigen, wer sie sind und was sie können, doch sie werden nicht gelassen. Hier anzusetzen, Leute einzuladen, ihre Sicht der Welt zu zeigen – wir denken das ist ein erster, und ein guter Ansatz, den wir in Zukunft weiterverfolgen wer-den. Es ist aber nicht nur wichtig, diesen Leuten Raum und Möglichkeit zu verschaffen, es ist auch ein ungeheures Vergnügen mit den Menschen zusammenzuarbeiten, ihr Land zu berei-sen, das kulturelle Erbe zu erfahren und ihre köstliches Essen zu genießen.

Selten haben wir in einer Woche, oder besser acht vollen Tagen soviel erfahren können, die Tage waren immer voll, und es gab dank der sprachlich, kulturell bedingten Missverständnisse viel zu lachen, es gab viel zu sehen und fühlen, tolle Menschen um uns herum und wir sind ein paar Millionen Rial ärmer, aber eine große Erfahrung reicher nun zurück in Deutschland, in einer so anderen Welt.

Wir wollen noch einmal allen danken, die unseren Aufenthalt zu so einer angenehmen Sache gemacht haben – gerne würde ich diese Zeilen auch auf persisch hier stehen haben, schließ-lich versteht kaum einer von jenen diese DANKESCHÖN, dass größer und fetter hier stehen sollte. Also Fatima! Setz einen Dank auf Farsi darunter – er geht vor allem zunächst an dich und auch deinen Mann. Es war großartig!

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