Bis aufs Blut


»ob-wahl-freiburg.de« hat sich vor der Wahl ein letztes Mal einer kleinen Neugestaltung unterzogen: Auf der Startseite finden sich jetzt kurze biographische Informationen über die Oberbürgermeisterkandidaten. – Nach wie vor sind auf »ob-wahl-freiburg.de« Videos von vielen der zurück liegenden Podiumsdiskussionen in voller Länge zu sehen. »nachgefragt« Spezial mit den OB-Kandidaten ist leider noch nicht online (Stand: 21. April).

»nachgefragt« Spezial mit den OB-Kandidaten

Rotteck-Gymnasium. (of/majo) 21 oder so Podiumsdiskussionen haben die armen OB-Kandidaten in diesem Wahlkampf bestritten. Videos kann man auf ob-wahl-freiburg.de ansehen. Viele davon sind bemerkenswert unzumutbar. Ihnen fehlen über weite Strecken Stil, Esprit und Inspiration. Gibt es einen Freiburger, der sie alle gesehen hat?

Wie müde müssen da erst die Kandidaten selbst sein, die auf jeder der Podiumsdiskussionen im Kreuzfeuer standen? Am heutigen Mittwochabend absolvieren sie endlich ihre letzte. Der vorletzte Abend auf dem Podium war bei »nachgefragt«, der Gesprächsreihe am Freiburger Rotteck-Gymnasium, die jeweils vom Sozialkunde-Kurs der Oberstufe vorbereitet und organisiert wird. »Nachgefragt« ist immer eine brechend voll besetzte Veranstaltung mit mittlerweile nationalem Renommee. Nicht für nichts gelingt es den Rotteck-Schülern, Prominente wie beim nächsten Mal Bundesjustizministern Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in ihre Schule auf den heißen Stuhl zu holen.

»Nachgefragt Spezial« versprach, die eine unterhaltsame Podiumsdiskussion in diesem Wahlkampfsommer zu werden, aus der man mit einem starken Bauchgefühl für einen der Kandidaten heraus gehen kann. Die Fragen, die die Schüler am Rotteck vorbereiten, sind in der Regel messerscharf und locken die Gäste aus der Reserve. Auch lassen sie ihnen oft nur die Wahl zwischen Satan und Luzifer. Beispiel, eine Frage an den amtierenden Oberbürgermeister Dieter Salomon: „Ist Arroganz Ihre Stärke oder Ihre Schwäche?“

Ein bisschen übers Ziel hinaus geschossen sind die Macher leider diesmal. »nachgefragt Spezial« war bisweilen laut und stinkig, dass man betreten zu Boden schauen wollte. Die Moderatorinnen waren oft sehr aggro. Zum Beispiel sollte Salomon anhand eines ohne große Recherche herbei gegoogelten Bildes erklären, wo in der Neugestaltung des Platzes der Alten Synagoge Bürgerbeteiligung sichtbar sei. Er setzte mehrfach dazu an, aufzuzählen, aber die moderierenden Mädels riefen kratzbürstig: „Zeigen! Zeigen!“, und man hätte meinen können, gleich kratzen sie ihn.

Nicht zu verachten ist die Idee gewesen, die Kandidaten den Zuschauern über ihre persönlichen Ansichten zu weltpolitischen (und auch Fußball-) Themen wie dem Krieg in Afghanistan menschlich näher zu bringen. Oberbürgermeisterwahl heißt ja schließlich Personenwahl. Aber gefühlt mehr als die erste Hälfte der Veranstaltung ging um, ohne, dass die Rede von Freiburg gewesen wäre. Stattdessen ging die Laune im Auditorium spürbar runter, als man plötzlich über Tote in Kundus und über Hitler redete. – Kommunalpolitik dürfte bunter sein als das.

Zuletzt ist der Anspruch der »nachgefragt«-Macher, jedes Mal mit originellen Spielen aufzuwarten. Zwar wird jede Talkrunde vor der Show geprobt, aber diesmal war alles sehr holprig. Der Ton war nicht ebenmäßig, die Gäste konnten die Spielregeln nicht gut verstehen – und wären die Moderatorinnen nur einen Tick entspannter gewesen, hätten sie sich nicht mit jeder Frage verhaspeln müssen.

»Nachgefragt« war diesmal nicht das Gelbe vom Ei. Alles in allem sind die Oberbürgermeisterkandidaten aber gleichermaßen souverän und mit Ernst mit dem Hin und Her der Show umgegangen. Dabei kam bei ihnen selbst noch das Lampenfieber durch, das sie manchmal das Gegenteil von dem reden ließ, was sie sagen wollten. Oder war es, was sie denken, was aus ihren Wahlversprechungen werden kann?

Das nächste »nachgefragt« ist am 5. Mai. Gästin ist Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. »Nachgefragt« mit ihr ist ausnahmsweise am hellichten Tag (12:00 Uhr) und ausnahmsweise im Stadttheater.

Beim übernächsten Mal ist Georg Schramm zu Gast.

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2 Antworten to “Bis aufs Blut”

  1. […] Königs, wobei er sich seiner christdemokratischen Wähler andererseits sicher genug war, auf der nachgefragt-Podiumsdiskussion im Rotteckgymnasium zu sagen: „Ich glaube nicht an einen Gott.“ Das habe er […]

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