Take a break – Podiumsdiskussion zum „Veggi-Day“


take a break - wie die Ernährung unser Klima schützen kann

Freiburg. (tp) Der Saal war brechend voll. Schon als ich ankam (pünktlich) wurden zusätzlich Bierzeltgarnituren hereingetragen und noch nach dem Inputvortrag mussten weitere Stühle geholt werden. „Klimaschutz mit Messer und Gabel – Braucht Freiburg einen „Veggi –Day“?“ war eine Veranstaltung des Grünen Kreisverbandes Freiburg. Es begann viel versprechend, die Experten schienen fundiert, ich war höchst motiviert, das Thema und die Aktion haben Aufmerksamkeit verdient – nur musste ich schon nach kurzer Zeit den Saal verlassen, damit es so bleibt.

Doch eins nach dem anderen.

Ich bin der festen Überzeugung (auch führende wissenschaftliche Institute und Regierungen), dass wir schädliche Einflüsse auf die Natur reduzieren, den Klimawandel eindämmen und wieder mehr für unsere natürliche Gesundheit tun müssen. Natürlich werden Eigenheime immer besser isoliert, man fährt ja schon am Wochenende mit dem Fahrrad einkaufen und Energiesparlampen hat man sich auch zugelegt.

Doch Fakt ist, das wir schnell handeln müssen. Und wozu uns mit Kleinigkeiten (Energiesparlampen) aufhalten, wenn wir doch gleich an die „Großen“ gehen können. Neben dem Verkehr ist die Nahrungsindustrie und -Aufnahme der größte Brocken in der Ökobilanz (und bekanntlich auch ein Faktor für unsere persönliche Gesundheit, dazu aber später mehr).

Das hat auch die Gemeinderatsfraktion Junges Freiburg/Die Grünen erkannt und sich damit beschäftigt. So wollen wir dieses Thema in die Mitte der Gesellschaft tragen, Vorbild sein und mit der vom Kreisverband der Grünen organisierten Podiumsdiskussion die breite Öffentlichkeit ansprechen und ihr etwas Gutes tun. Doch leider können die das vor Ort nicht immer so zeigen und ausdrücken. Ich möchte Ihnen hierbei etwas Unterstützung geben:

Die beste Möglichkeit dieses Thema auf Kommunaler Ebene an zu gehen ist wohl der „Veggi–Day“.

Der Sinn eines „Veggi–Day“ ist ja genau „ dieses Thema einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen und die Menschen zum Mitmachen zu motivieren“*

Was, wie hä? Ja genau, wir sollen alle fleißig mitmachen (und es würde uns gut tun), aber was dieser „Veggi–Day“ eigentlich ist, wurde in der Aufregung gestern leider vergessen zu erwähnen:

„Also einen Tag in der Woche, an dem in städtischen Schulen, Kitas und Kantinen auf Fleisch verzichtet wird und stattdessen vegetarische Gerichte angeboten werden. Neben städtischen Einrichtungen sollen auch Restaurants, Mensen, Betriebskantinen und natürlich alle Bürgerinnen und Bürger motiviert werden, sich an dieser Mitmach-Aktion zu beteiligen und an diesem Veggi-Day bewusst auf den Verzehr von Fleisch zu verzichten.“**

– Aha, also meine Tochter bekommt an diesem Tag Kartoffeln, mit Erbsen und Mohrrüben, (Braten?-)Soße in der Schule, aber ohne Schnitzel. Mein Sohn wird seine geliebten Spagetti in der Mensa wohl nur mit Tomatensoße, ohne Hack essen müssen. Zum Glück gibt es auf Abreit so oder so an diesem Tag immer Milchreis. Hört sich ziemlich nach Beschneidung meiner persönlichen Freiheit an (Bewusstseinsbeeinflussung).

Solche ähnlichen Befürchtungen sind auch gestern zur Sprache gekommen. Leider sind diese Wortmeldungen weder von Besorgten selbst, noch aus dem anders denkenden Publikum angemessen ausgedrückt worden. Das eine oder andere Grüne Fraktionsmitglied wollte aber entgegnen:

Ich kann sehr gut verstehen, dass Sie sich mit diesem ganzen Thema der Klimaerwärmung und Umweltbewusstsein etwas überwältigt vorkommen. Überall wird man damit konfrontiert, dass Auto fahren schlecht, Fleisch essen böse ist. Doch weder die Medien noch wir möchten Sie einschränken. Der „Veggi–Day“ ist ein Dialogversuch. Nicht jeder kommt auf eine Podiumsdiskussion und ist sich dieses Themas bewusst. Doch nur wenn wir an öffentlichen Plätzen (Schulkantinen, Mensa) die Menschen vor die Wahl stellen: Ernährt euch umweltbewusst und gesünder (Wissenschaftliche Studien belegen beide Konsequenzen) kommen wir ins Gespräch und finden den gemeinsamen Weg. Zudem, „bei der Veggi-Day-Kampagne soll es explizit nicht darum gehen, mit dem erhobenen Zeigefinger gegen den Fleischkonsum generell zu sein und für ausschließlich fleischlose Ernährung zu werben – der Sonntagsbraten soll bleiben! Ziel ist vielmehr, bei Einkauf, Zubereitung und Verzehr von Nahrungsmitteln genauer hinzusehen…“ **

Die Frage ist also nicht, ob jemand uns einschränkt, sondern wir anfangen zu überlegen, dass es besser für unsere Kinder, unseren Körper und unserer Ethik ist, weniger, oder kein Fleisch zu essen.

Neben dieser persönlichen Einschränkungsfrage kam auch noch ein ganz anderes Thema auf. Ein Gedankenspiel, dass die Ernährungsökobilanz doch viel besser wäre, wenn wir einfach weniger essen. Mit den genauen Worten: „Dass, wenn es eine weltweite Geburtenkontrolle geben würde, wir nicht so viel an der Ernährungsweise (bei der ich mich gerade wohl fühle) ändern müssten“.

Reaktion? Ein Lachen ging durch den Saal. Leider wurde es auch hier versäumt, dementsprechend zu moderieren. Ich würde diese etwas einfache Rechnung aber dennoch gerne aufgreifen:

Der Kehrschluss davon ist ja, was machen wir, wenn es immer mehr Menschen auf der Welt gibt? Reicht dann unsere Nahrungsproduktion aus, um alle zu versorgen? Es hungern ja jetzt schon Menschen, wo doch unsere Produktion vielleicht umweltschädigend, aber noch nie so effektiv war wie heute.

Natürlich kann ich da keine klare Antwort geben. Ich denke aber, wenn wir Flächen, Nahrung was zu Tierfutter verarbeitet wird und übersäuertes Gebiet (Güllegruben der Massentierhaltung) einsparen würden, wir effektiv eine höhere Nahrungsproduktion hinbekommen könnten. Pflanzlich natürlich, aber ausreichend, in einer Geschmacksvielfalt und zum Sattwerden.

Mehrfach habe ich auch den Aspekt der Gesundheit  angesprochen. Wenn das tägliche Fleisch aus Massentierhaltung stammt (wo wurde noch mal die Wurst fürs Abendbrot hergestellt?), kann man sich nie sicher sein, mit welchen Medikamenten diese Tiere behandelt wurden. Auch wenn wir uns nicht alle einig sind, dass Tiere bei dieser Form von Mästung wirklich die geistige Tiefe für Leiden besitzen, so doch, das diese Schmerzen empfinden (Nervenstränge die gereizt werden), im Stress stehen (bei mehreren tausenden Tieren in den Hallen kein Wunder). Natürlich werden diese Tiere behandelt und am Leben gehalten, aber womit? All diese ungeklärten Fragen landen bei uns auf dem Tisch und sind definitiv nicht gesund.

Auch ich bin kein Vegetarier, auch ich möchte mir nicht im Grundsatz vorschreiben lassen, ob ich am Donnerstag Fleisch zu essen bekomme oder nicht, aber erstens schmeckt mir mein Obstsalat gerade ausgezeichnet und zweitens zielt der „Veggi-Day“ nicht darauf ab, einen Tag alles Fleischliche aus der Stadt zu verbannen, sondern uns gemeinsam Gedanken zu machen. Meine Münstergrillwurst wird es trotzdem wohlwollend geben.

*Originalzitat des Kreisverbandes Die Grünen Freiburg  (http://www.gruene-freiburg.de/home.html#c18077)

**Originalzitat der Gemeinderatsfraktion Junges Freiburg/ Die Grünen (http://jf-gruene.de/presse/details/article/klares-votum-gegen-oeffnung-der-waldseestrasse-fuer-kfz-verkehr.html)

Wer sich gerne weiter über «Tiere Essen» informieren möchte: Buchtipp Jonathan Safran Foer.

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2 Antworten to “Take a break – Podiumsdiskussion zum „Veggi-Day“”

  1. Filmtipp dazu: Soylent Green mit Charlton Heston.

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